Die erste Intifada

„Intifada” bedeutet in der arabischen Sprache “durchschütteln” oder “abschütteln”. Der Begriff wurde für die Aufstände gegen Israel in der Neuzeit verwendet.

Obwohl der Begriff anderswo Aufstände gegen die amtierende Regierung bezeichnet, gewann das Wort in Israel eine besondere Bedeutung und wurde mit einem Befreiungskampf gleichgesetzt. Die erste Intifada gegen Israel dauerte von 1987 bis 1991 und beruhigte sich schließlich nur mit dem Beginn des Golfkrieges.

Obwohl Palästinenser und Israelis ziemlich lange Zeit geschafft hatten, relativ ruhig miteinander zu leben, und Palästinenser jeden Tag zur Arbeit und zum Einkaufen nach Israel kamen, ärgerten sich andere Palästinenser zunehmend wegen der “israelischen Besatzung” ihrer Heimat, wurden immer aggressiver und militant und protestierten gegen die angebliche schleichende Annexion ihres Landes durch Israel.

Sie waren auch von der arabischen Führung im Allgemeinen ernüchtert und von der PLO im Besonderem enttäuscht und fühlten, dass diese nicht zu ihrer Hilfe kämen bzw. nicht genug unternehmen würden, um ihnen die politische Unabhängigkeit zu sichern.

Die Jordanier, die selber keine Anhänger der PLO waren, zögen sich aus dem Westjordanland zurück, übten übertriebene Mäßigung aus, und Ägypten hatte auf jegliche Ansprüche auf den Gazastreifen verzichtet.

Angesichts der seit Jahren sich verstärkenden Spannungen führten einige Vorkommnisse zum Riss. Anfang Dezember 1987 wurde ein jüdischer Geschäftsmann in Gaza erstochen. Ein paar Tage später, am 8. Dezember, verletzte ein israelisches gepanzertes Militärfahrzeug bei der Erez Grenzpassage versehentlich einige Bewohner des Flüchtlingslagers Jabalya im Gaza-Streifen, wobei vier Menschen starben. Der allgemeine Konsens unter den Palästinensern war, dass die Israelis die Gruppe absichtlich, als Rache für den Tod des Geschäftsmannes, überfahren hatte. Der Verkehrsunfall gilt als der “offizielle” Beginn der ersten Intifada.

Obwohl der Aufstand nicht offiziell von einer bestimmten Gruppierung organisiert wurde, übernahm die PLO de facto die Führung, obschon diese Rolle prompt von der Terrororganisation Hamas und dem islamischen Dschihad beansprucht wurde.

Einer der prominenten und profiliertesten Führer der Intifada war Faisal Husseini, der Großneffe des ehemaligen Großmufti Hadsch al-Husseini.

Zunächst waren die Angriffe plump und primitiv — Bewerfung mit Steinen, Reifenverbrennungen und Straßenblockaden. Bald gesellten sich aber Molotov-Cocktails, Handgranaten und Sprengstoff dazu. Gegen Ende der Intifada wurden Selbstmordattentate verübt.

Die Palästinenser setzten auch Kinder als menschliche Schutzschilde gegen israelisches Feuer ein, um ihre Kämpfer zu schützen. Der Aufstand wurde immer besser organisiert, vor allem mit Hilfe der Hamas und des islamischer Dschihads, die Terroranschläge initiierten und israelische Soldaten entführten.

Die palästinensischen Randalierer begnügten sich nicht mit Angriffen auf Soldaten, sondern zielten vermehrt auch auf die Zivilbevölkerung. Die Gewalt beschränkte sich auch nicht auf Juden. Viele eigene Leute, die der Zusammenarbeit mit Israelis verdächtig waren, wurden brutal getötet.

Während der Intifada starben ungefähr genauso viele Palästinenser durch die Hand von Palästinensern wie von Israelis getötet wurden. Bis zum Ende der Intifada hatte Israel hunderte von Opfern der palästinensischen Terroranschläge zu verzeichnen.